Long COVID und die Psyche


Die COVID Pandemie wirkt sich signifikant negativ auf die psychische Gesundheit aus, dies wurde inzwischen in einer Vielzahl von Studien festgestellt.


Wesentlich sind dabei die folgenden drei Wirkmechanismen:


  1. Zur Bekämpfung der Pandemie wurde ein Bündel von Quarantäne-Maßnahmen verabschiedet. Durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und der sozialen Kontakte sollte exponentielles Infektionswachstum verhindert werden. Diese Maßnahmen zeigten bei den davon Betroffenen neben sozialen auch wirtschaftliche Auswirkungen. Es entstand ein Erleben, welches durch Kontrollverlust, Ohnmachtsgefühle, Existenzängste oder auch Überforderung im häuslichen Umfeld beispielsweise durch Homeoffice und Betreuung von Angehörigen und Kindern geprägt wurde.
  2. Jede durchlebte schwere Erkrankung kann per se zu traumatisierenden Erlebnissen führen und sich ebenso negativ auf das Sicherheitsgefühl eines Menschen auswirken. Insbesondere im Zusammenhang mit der verschlechterten sozialen Einbettung (Sozialkapital) bis hin zur Vereinsamung, schweren Erkrankungen oder Todesfälle im Umfeld, bildet dies einen weiteren Belastungsfaktor.
  3. Die COVID Infektion vermag auch das zentrale Nervensystem (ZNS) befallen, was der häufig zu beobachtende Ausfall von Geruchs- und Geschmackssinn belegt. Die Infektion wird auch in Zusammenhang gebracht mit Spätfolgen, die dem Krankheitsbild des Chronic Fatigue Syndroms (CFS) durchaus ähneln. Die genauen Wirkungszusammenhänge sind bislang noch nicht erforscht.


In einer aktuell veröffentlichten Studie wurden im Zeitraum von 6 Monaten nach der COVID Diagnose in 33-62% der Fälle eine krankheitswertige psychische Belastung diagnostiziert. Laut repräsentativer Umfragen und Studien kommt es bereits zu einer deutlichen Zunahme an digitalem Stress, Angsterkrankungen, Depressionen, Zwangsstörungen, Essstörungen Borderlinestörungen und psychosomatischen Beschwerden. Die Schwere des Verlaufs der COVID Erkrankung steht dabei in Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit psychischer Spätfolgen.

Neben der teilweise notwendigen physischen Nachbehandlung ist somit in vielen Fällen auch eine psychische indiziert, insbesondere dann, wenn anhaltende Erschöpfung bzw. Kraftlosigkeit zusammen mit Depressivität anhält. Die Behandlung dieser Patientengruppe setzt auf bewährte Therapieelemente, die allerdings in etwas anderer Zusammensetzung zur Anwendung kommen. So nimmt die Psychoedukation im Sinne der Aufklärung über das Krankheitsbild gemäß dem Biopsychosozialen Gesundheitsmodell einen besonderen Stellenwert ein.

Auch andere übliche Interventionen wie bspw. das in der Depression übliche Verfahren der Aktivierung müssen auf die Long COVID Situation angepasst werden. Falls Sie in Folge einer COVID Infektion an psychischen Problemen leiden, bieten wir Ihnen in einem Beratungsgespräch anhand der Bewertung der Situation geeignete Therapieangebote an.

 

Quelle:

neuropsychCOVID.pdf (thelancet-press.com)